Emma
15.12.2009, 10:41
Selbsthilfegruppen als Marketing-Maßnahme der Industrie
von Sylvia Schneider
Natürlich tut man den seriösen und hilfreichen Selbsthilfegruppen unrecht, wenn man alle über einen Kamm schert. Daran hat unter anderen Leser Eckhart von der Arthroseselbsthilfe erinnert - zu Recht. Doch immer mehr Selbsthilfegruppen unterhalten aus finanziellen Erwägungen heraus, eine Beziehungen zur Pharmaindustrie. Vor allem Brustkrebsinitiativen werden von der Industrie bevorzugt gesponsert - wahrscheinlich, weil die betroffenen Frauen in dieser Notsituation für Zuwendung besonders empfänglich sind. Das prangerte unlängst die Organisation „Transparancy international" an, die sich mit der Korruption im Gesundheitswesen befasst.
Gibt es noch keine Selbsthilfegruppe zu einem bestimmten Thema, gründet die Unternehmen immer häufiger schnell selbst eine. So bilden sich beispielsweise auf Initiative von Konzernen Bündnisse und Vereinigungen mit Betroffenen. Eine solch unglückselige Verstrickung versteckt sich beispielsweise immer häufiger hinter Organisationen, die vordergründig von Frauen mit Brustkrebs ins Leben gerufen wurden. Diese organisieren dann Kongresse und Veranstaltungen für Brustkrebspatientinnen. Die Treffen werden von der jeweiligen Firma gezahlt und quasi auch „überwacht". So übernimmt diese beispielsweise die Pressearbeit für die Selbsthilfegruppe. Erklärtes Ziel ist es, Brustkrebspatientinnen „pharmafähig" zu machen. Hier werden auch Versuchsfrauen für die klinische Forschung gewonnen. Vor allem soll das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente unterlaufen oder mit Hilfe der Selbsthilfegruppen gar abgeschafft werden. Wenn schwer kranke Menschen so etwas fordern - am besten im Rollstuhl oder auf Krücken, werden nämlich selbst hartgesottenen Politikern die Knie weich.
Immer öfter werden Selbsthilfegruppen in große PR-Kampagnen der Pharmaindustrie eingebunden, wenn es darum geht neue Medikamente oder Behandlungsverfahren unter das Volk zu bringen. Disease-Awareness-Kampagnen heißt diese Strategie, mit der das Feld für die Einführung neuer Medikamente vorbereitet wird. Die jeweilige Krankheit wird zum Volksleiden hochstilisiert, dass unter allen Umständen behandelt werden muss. Bei diesem so genannten „Prämarketing" werden gezielt Bedürfnisse nach Medikamenten geweckt, die es noch gar nicht gibt. Neue Mittel sind häufig wesentlich teurer als die herkömmlichen Arzneien und haben angeblich meist weniger Nebenwirkungen (was aber oft nicht stimmt). Empfiehlt eine Selbsthilfegruppe ein solches Präparat, wächst die Glaubwürdigkeit des Herstellers und die Neigung wächst, das teure dem herkömmlichen und gut erprobten Präparat vorzuziehen.
von Sylvia Schneider
Natürlich tut man den seriösen und hilfreichen Selbsthilfegruppen unrecht, wenn man alle über einen Kamm schert. Daran hat unter anderen Leser Eckhart von der Arthroseselbsthilfe erinnert - zu Recht. Doch immer mehr Selbsthilfegruppen unterhalten aus finanziellen Erwägungen heraus, eine Beziehungen zur Pharmaindustrie. Vor allem Brustkrebsinitiativen werden von der Industrie bevorzugt gesponsert - wahrscheinlich, weil die betroffenen Frauen in dieser Notsituation für Zuwendung besonders empfänglich sind. Das prangerte unlängst die Organisation „Transparancy international" an, die sich mit der Korruption im Gesundheitswesen befasst.
Gibt es noch keine Selbsthilfegruppe zu einem bestimmten Thema, gründet die Unternehmen immer häufiger schnell selbst eine. So bilden sich beispielsweise auf Initiative von Konzernen Bündnisse und Vereinigungen mit Betroffenen. Eine solch unglückselige Verstrickung versteckt sich beispielsweise immer häufiger hinter Organisationen, die vordergründig von Frauen mit Brustkrebs ins Leben gerufen wurden. Diese organisieren dann Kongresse und Veranstaltungen für Brustkrebspatientinnen. Die Treffen werden von der jeweiligen Firma gezahlt und quasi auch „überwacht". So übernimmt diese beispielsweise die Pressearbeit für die Selbsthilfegruppe. Erklärtes Ziel ist es, Brustkrebspatientinnen „pharmafähig" zu machen. Hier werden auch Versuchsfrauen für die klinische Forschung gewonnen. Vor allem soll das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente unterlaufen oder mit Hilfe der Selbsthilfegruppen gar abgeschafft werden. Wenn schwer kranke Menschen so etwas fordern - am besten im Rollstuhl oder auf Krücken, werden nämlich selbst hartgesottenen Politikern die Knie weich.
Immer öfter werden Selbsthilfegruppen in große PR-Kampagnen der Pharmaindustrie eingebunden, wenn es darum geht neue Medikamente oder Behandlungsverfahren unter das Volk zu bringen. Disease-Awareness-Kampagnen heißt diese Strategie, mit der das Feld für die Einführung neuer Medikamente vorbereitet wird. Die jeweilige Krankheit wird zum Volksleiden hochstilisiert, dass unter allen Umständen behandelt werden muss. Bei diesem so genannten „Prämarketing" werden gezielt Bedürfnisse nach Medikamenten geweckt, die es noch gar nicht gibt. Neue Mittel sind häufig wesentlich teurer als die herkömmlichen Arzneien und haben angeblich meist weniger Nebenwirkungen (was aber oft nicht stimmt). Empfiehlt eine Selbsthilfegruppe ein solches Präparat, wächst die Glaubwürdigkeit des Herstellers und die Neigung wächst, das teure dem herkömmlichen und gut erprobten Präparat vorzuziehen.